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3-Channel Videonstallation for Screens & Cinema Version | 15,0" | 2006

In a comic tragedy framework, "Delay.Aventures", with references to Anderson's fairy tale, "The Red Shoes", describes the desperate attempt to compensate the underdog and render tangible the vanishing identities. The strange caricature emerges of a personality whose intensive self-denial turns into excessive self-dramatization that in no case allows the character to be apprehended, but that, to the contrary, leads to the loss of him. The character runs aground. "Delay.Aventures" is somewhat of an illustration, pushed to the extreme and strained towards self-ridicule, conflicts, fits, and peculiarities which the actors find themselves confronted with every day, above all because of their personal reflections on creation, in view of an environment saturated with media.

"Delay.Aventures" beschreibt mit Bezügen zu Andersen’s Märchen “Die roten Schuhe” den verzweifelten Versuch, Substanzverlust zu kompensieren und das Verschwinden einer Identität greifbar zu machen. Es entsteht das bizarre Zerrbild einer Persönlichkeit, deren exzessive Selbstdarstellung die Identität der Figur keineswegs zu profilieren vermag, sondern zu ihrem gänzlichen Verlust führt. Bipolar Disorder. Delay.Aventures ist gleichsam eine überspitze Veranschaulichung alltäglicher Konflikte, Krisen und Besonderheiten, mit denen sich insbesondere Künstler in ihrer persönlichen kreativen Auseinandersetzung angesichts einer medial überfüllten Umgebung konfrontiert sehen. Francis Farmer oder Janis Joplin beispielsweise haben eine moderne Version des Märchens ausargiert; ein Psychogramm, das für die Verschränkung Realer und Imaginärer Räume in den Verwerfungen des Erotischen sensibilisiert.

Sponsored by Hessische Filmförderung

Kamera: Arne Witt, Sven Heine
Licht/Photografie: Silvia Götz, Johanna Leistner, Maja Wirkus
Maske: Daniel Massow
Aries: Mansur Ajang
Jellyfish: Sebastian Hülk
Delay: Franziska Cordes

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Franziska Cordes hat im März 2006 in der Salzmann Fabrik Kassel ihre Abschlussartbeit gezeigt – Delay.Aventures, eine 3-Channel-Videoinstallation. Die Arbeit wurde von Bjørn Melhus und Joel Baumann betreut, die ihr beide ohne Einschränkungen das höchste Prädikat gegeben haben.

Auch wenn es eine etablierte Möglichkeit von Video-Installation ist, ohne Sprache auszukommen, so liegt hier doch etwas sehr verblüffendes vor. Franziska Cordes gelingt die Zauberei, einzig aus dem Assoziationsgefüge sehr präzise gestalteter und miteinander verknüpfter Bilder und Töne eine poetische dichte Erfahrung zu konstallieren, die dem Betrachter/Hörer keine simple These aufdrückt, sondern ihn dafür sensibilisiert, wie sich Reales und Imaginäres in den Verwerfungen des Erotischen verschränken.
Behutsam und zugleich schockierend, zart und zuweilen ironisch werden hier die Konflikte der Geschlechter, Ängste und Wünsche, die Flucht in Rollenangebote und ihre Infragestellung thematisiert. In diese absolute Poetik spielt zudem etwas hinein, was heute eher ungewöhnlich ist: die Pausen – im Bildlichen und Akustischen – und die statischen Momente der Bilder werden zu einer Stille, in der sich der Raum einer Revision des Erlebens öffnet. Mir persönlich ist es so ergangen, dass mich den ganzen langen Abend danach das Gesehene und Gehörte nicht losgelassen hat.
Die Dichte der Bilder, die Konfigurationen, die sich zwischen ihnen ergeben, der Umgang mit Zeit und Bewegung, die Entwicklung einer nicht-linearen Erzählweise, die Entdeckung von räumlichen Konstellationen und Transformationen, wie sie so noch nicht in einer Mehrfachprojektion eingesetzt worden sind, ergeben ein faszinierendes Gewebe der Imagination.
Beispielsweise: hat man schon jemals einen Horizont zum Schwanken gebracht gesehen, ohne dass man ihn als Kamerabewegung rationalisieren könnte? Oder die überraschende Entwicklung des auftauchenden Bildes des Bogenschützen und die Verknüpfung des Schusses mit dem Gegenschnitt der Nahaufnahme des Blicks der jungen Frau, als ob er nicht doch deren Augen trifft? Oder die Verschiebung der Hörerwartung vom Beklatschen zum einsamen Steppen – auf dem Schachbrettboden im Schwarzbild-off?
Und wenn der Loop zunächst eine Möglichkeit der Wiederholung darstellt, so ist es hier so, dass man sich Mit-einmal-sehen nicht beruhigt, dass man vielmehr mit jeder Wiederholung neue Bezüge entdeckt und nicht ruht, bevor man nicht sämtliche Momente in seiner Erinnerung aufrufen kann. Außerdem wird das Colse-up, was viele der Bilder dirigiert, hier zum inhaltlichen Moment einer äußerst berührenden Erschließung.

Kurzum: ich halte diese Arbeit für eine erstaunlich reife Leistung, frei von einer klischeemäßigen Zurichtung von Sichtweisen, die vielmehr dort, wo Realklischees des Verhaltens thematisiert sind, ohne Überheblichkeit zu offenen Fragen transformiert werden.

Prof. Dr. U. Panhans-Bühler